Das schaffst du nicht?

Aktuell ist der Mupfpapa zum ersten Mal seit des Mupfes Geburt auf Dienstreise. Drei Tage, zwei Nächte. Entsprechend sind der Mupf und ich zum ersten Mal länger als ein paar Stunden alleine.

Der Gatte hat mich im Vorfeld gefragt, ob ich damit einverstanden sei, ob ich mir das zutraute, denn er hätte nicht unbedingt fahren müssen. Er wollte aber gern und ich fühlte und fühle mich in der Lage, das Mupfbusiness ein paar Tage alleine zu stemmen. Also stimmte ich zu und wir beschlossen, Polly für diese Zeit in einem Hundehotel einzuquartieren, um hier Zuhause eine Variable weniger bedenken zu müssen. Vernünftige Herangehensweise für ein erstes Mal. Fanden zumindest wir.

Mein Umfeld* reagierte darauf durch die Bank irritiert und mit gerunzelten Stirnen. Baby und Hund, das schaffst du nicht? Warum nicht? Traust du dir das nicht zu? DAS ist dir schon zu viel? Okaaay. Wenn du meinst…

Heute, an Tag 3, kann ich sagen, dass ich es natürlich geschafft hätte. Aber, liebe Leute, wisst ihr was? Ich finde meine Entscheidung trotzdem richtig.

Ich hatte vor mittlerweile drei Jahren einen Burnout, der mir etwa ein Jahr meines Lebens raubte (hier habe ich dazu schon mal etwas geschrieben). Das war eine schlimme Zeit und eine sehr schmerzhafte, existentielle Erfahrung. Aber ich habe daraus auch viel gelernt, unter Anderem Folgendes: Ich muss nicht alles schaffen! Ich darf Hilfe annehmen, ich darf sogar Hilfe einfordern!

Mittlerweile bin ich ganz gut darin, vorherzusehen, welche Situationen potentiell schwierig sind, und rechtzeitig für Entlastung zu sorgen – eben BEVOR es mir überhaupt zu viel wird. Und das habe ich hier getan. Denn natürlich will ich dem Mupf gerecht werden, das steht ja außer Frage, natürlich will ich auch Polly gerecht werden. Aber – hallohooo! – ich will, ich muss auch mir gerecht werden! Wozu soll ich es riskieren, mich drei Tage lang zu überlasten, wenn es einfach nicht sein muss? Polly ist dort supergut untergebracht, sie kann spielen und toben und wird vermutlich traurig sein, wenn ich sie heute Nachmittag abhole. Sie ist jetzt schon lange genug bei uns, um eine Trennung zu verkraften. Da muss man, da muss ich kein schlechtes Gewissen haben, und da müsst ihr mir keins machen.

Und übrigens: Damals, als „es“ passiert ist, als ich zusammengeklappt bin, da habt ihr Klugscheißer unisono große Reden geschwungen. Wie kannst du es nur so weit kommen lassen? Lass dir doch helfen! Sag doch was! Wir sind doch für dich da! Es gibt doch Möglichkeiten…

Und jetzt? Nix mehr? Habt ihr das wieder vergessen? Waren das Lippenbekenntnisse, um eine auch kommunikativ schwierige Situation irgendwie zu überstehen?

Liebe Leistungsgesellschaft, lass dir eins gesagt sein: „Man“ muss nicht rackern wie verrückt. „Man“ muss nicht ständig versuchen, die eigenen Grenzen immer noch ein Stück weiter zu schieben. „Man“ muss nicht auf dem Zahnfleisch durchs Leben robben, nur weil das geht! Zumindest ich muss das nicht. Nicht mehr. Es ist vollkommen ok, dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Es ist ok, wenn ich es als Babymama schaffe, regelmäßig zu essen und täglich zu duschen. Das ist kein Zeichen für „da ginge mehr“, das ist ein Zeichen für „so ist es richtig“, verdammt nochmal!

Ich will mein Leben genießen. Ich will es mir und meiner Familie schön machen, und ja, auch leicht. Und das ist legitim. Die schwierigen, die fordernden Momente, in denen ich alles und immer noch ein bisschen mehr gebe, die kommen doch ganz von selbst, unplanbar und ohne mein Zutun. Und dann ist es besser, wenn mein Zahnfleisch ausgeruht ist. Oder etwa nicht?

*Das bezieht sich „nur“ auf mein RL-Umfeld. Meine wundervolle Filterbubble, mein Online-Clan, hat ganz anders reagiert. Danke euch!

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11 Gedanken zu “Das schaffst du nicht?

  1. Das hast du genau richtig gemacht. So ein kleiner Mupf ist viel Arbeit, braucht viel Aufmerksamkeit und natürlich hättest du es auch mit Hund geschafft, aber das musst du nicht. Du hast es wirklich genau richtig gemacht und kannst stolz auf dich sein, dass du es schaffst, dir Entlastung zu verschaffen.

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  2. Du hast das genau richtig gemacht. Wenn ich daran denke, wie unsicher ich am Anfang alleine mit dem Baby war. Ich musste mich da auch erst reingrooven.

    Es ist gut, dass Du da auf Dein Bauchgefühl gehört hast und Polly wird sicher keinen Schaden davon tragen. Den befürchte ich eher, wenn sie nicht zur rechten Zeit zum Pipi machen rauskäme. 😉

    Freue mich, dass Du jetzt bloggst.

    Liebe Grüße
    Tante Emma

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  3. Tanja Tollpatsch schreibt:

    Hättest du Polly nicht in den Urlaub geschickt und sie wäre wegen plötzlicher Krankheit vom Mupf oder dir oder was auch immer für ein Grund,zu kurz gekommen,hätten diese Leute dir wohl auch seltsame Blicke und blöde Kommentare geschenkt…

    Wie mans macht,macht mans eh falsch 😉

    Ach und regelmäßig essen/trinken schaffe ich mit dem 2 jährigen an einigen Tagen auch nicht.

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  4. Esther Uiuiui schreibt:

    Hallo meine liebste Hanni

    Ich hatte ja auch Baby und Hund und einen Mann mit sehr vielen Dienstreisen. Wir haben den Hund nie abgegeben, weil er eben schon fünf war und ich aus der Erfahrung wusste: wenn ich drei Tage zusammenbreche und ihn nur kurz raus lassen kann in den Garten, dann kommt er damit klar. Außerdem könnte ein Freund kommen und mit ihm gehen. Das hat er auch ganz oft gemacht. Besonders in dem verschneiten Winter, weil ich mir das mit Baby und Hund bei dieser Schneemenge nicht zutraute. Das war echt super. Aber mit einem kleinen Hund, hätte ich mir das auch nicht zugetraut so allein. Besonders nicht mit unserem Hund, der echt anstrengend ist beim Spazierengehen. Daher Daumen hoch für Deine Einstellung. Und toll, dass Ihr so eine Pension Eures Vertrauens habt. Wir hatten in unserer vorletzten Wohnung einen lieben Nachbarn. Ich würde hoffen, dass er es heute auch noch macht und vielleicht sogar das ganze Haus sitten würde. Als wir kürzlich in Berlin waren, da war es so ein Akt, das wünsche ich mir auf Dauer nicht.

    Liebe Grüße
    Deine Frau Uiuiui

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    • Danke für Deine Erfahrungen, liebe Frau Uiuiui. Wir wohnen ja im 3. Stock, da ist es mit Kurzrauslassen leider sehr schwierig. Das Gleiche gilt für den letzten Spaziergang des Tages: Polly will um zehn noch mal raus, der Mupf geht um acht ins Bett. Das lässt sich schwer vereinbaren. Wir haben jetzt beschlossen, sie vor allem deshalb auch beim nächsten Mal wieder in die Hundepension zu geben. Hier sind Dienstreisen zum Glück nicht sooo häufig. da geht das 😉

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      • Esther Uiuiui schreibt:

        Woah! Dritter Stock. Wir haben im 3. Stock gewohnt, als unser Hund ein Welpe war. Was war das ein Gerenne. Ja, dann geht kurz rauslassen natürlich nicht.

        Liebe Grüße
        Deine Esther

        Gefällt 1 Person

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