Majabiläum. Eine Vermissung.

Heute vor 16 Jahren, am 7. Oktober 2000, begann eine tiefe, eine dicke, eine haarige Freundschaft: Hundedame Maja dackelte in mein Leben. Und ich in ihres.

Ich war damals 17 Jahre alt, ein paar Tage später war mein 18. Geburtstag. Es muss wohl ein Samstag gewesen sein. Mittags rief meine Mutter von unterwegs an. Du, ich bin auf dem Heimweg, und ich habe heute Nachmittag etwas mit dir vor, zum Geburtstag. Schau mal in die Kleinanzeigen in der Tageszeitung, vielleicht entdeckst du da etwas, das dich interessiert.

Wenn du das so sagst, dann muss ich gar nicht gucken, dann gibt es irgendwo Dackelwelpen, sagte ich.

Wir fuhren am Nachmittag also in den Nachbarort, wo eine Züchterin tatsächlich Dackelwelpen abzugeben hatte. „Nur mal gucken“ – ein Plan, der in unserer viechverrückten Familie bei Züchterbesuchen seit jeher zum Scheitern verurteilt ist. Wir nahmen keine Leine mit, kein Geld, nur mal gucken, Welpen kuscheln, mehr nicht.

Der langen Rede kurzer Sinn: An diesem Tag zog Maja bei uns ein. Aurora vom Buchbergblick. Ein herrlich verstrubbeltes, wildes, rotzfreches Rauhhaardackelmädchen, 16 Wochen alt. Meine Mutter fuhr zum Geldautomaten und ich trug Maja dann im Arm nach Hause, weil wir ja keine Leine dabei hatten. Kein Problem bei so einem kleinen Hundekind.

Für die nächsten fünfzehneinhalb Jahre gingen wir zusammen durchs Leben. Maja machte mit mir Abitur, wir zogen zusammen zuhause aus, ich studierte, machte Staatsexamen, lernte den Mupfpapa kennen, wir heirateten, ich wurde schwanger – Maja erlebte alle Meilensteinen meines Lebens mit. Sogar auf unserer Hochzeitstorte wurde sie verewigt.

Maja, der Reisedackel, bereiste mit mir Skandinavien, kläffte auf der Fähre die Möwen an, die Ohren flatternd im Wind, die breite Dackelbrust stolz geschwellt. Eben jene Brust, die auch als Eisbrecher fungierte, wenn sie auch im Januar auf ihrem täglichen Bad im See bestand.

Bei einem Sommerurlaub in Schweden hielt der Bauer in dem Waldstück neben unserem Haus Cashmere-Ziegen. Maja war fasziniert von ihnen, konnte aber zum Glück den Zaun, ein Elektronetz, das bis zum Boden reichte, nicht überwinden. Bis es ihr am vorletzten Tag doch gelang und sie eifrig, ähem, die armen Ziegen „hütete“. Wir brauchten fast eine Stunde, um sie einzufangen. Der Bauer hatte an diesem Tag vergessen, den Strom wieder anzustellen. Maja muss den Zaun drei Wochen lang täglich kontrolliert haben. Und als ihre Chance kam, war sie bereit, sie zu nutzen. Diese dackelige Sturheit… Viele Leute mögen das nicht, ich habe sie gerade dafür geliebt.

Maja konnte in Windeseile die tiefsten Löcher buddeln. Sie hat geschnarcht wie ein Walross. Sie liebte es, sich einzukuscheln und zuzudecken. Selbst. Sie war so verfressen, als sei einer ihrer Vorfahren ein Staubsauger gewesen. Im Sommer 2015 musste sie operiert werden, weil sie in aller Gier einen Schinkenknochen komplett verschluckt hatte, anstatt ihn abzunagen – neuneinhalb Zentimeter lang!

Wenn man sie aufforderte „sag mal, wie du heißt!, warf sie den Kopf in den Nacken und brummte. Wenn man mit gestreckten Finger auf sie zeigte und „Peng!“ sagte, ließ sie sich dramatisch zur Seite kippen.

Mit dem Alter kamen die Wehwehchen und wir kauften einen faltbaren Bollerwagen, damit unser altes Mädchen trotzdem immer dabei sein konnte, wenn wir unterwegs waren. Wie eine Galionsfigur thronte sie darin und genoss den Überblick.

Im März dieses Jahres hat Majas Kreislauf schlappgemacht. Wir haben eine Woche lang gekämpft und sie dann gehen lassen. Schweren Herzens. Sechs Wochen später wäre sie 16 geworden. Ich hatte mir so gewünscht, dass sie den Mupf noch kennenlernt. Die beiden haben sich um drei Monate verpasst.

Und so findet das Majabiläum heute zum ersten Mal ohne sie statt. Ich vermisse sie immer noch sehr. Meine Freundin. Meinen Teppichporsche. Meine Fußhupe. Die alte Zauselmadame. Ich bin mir sicher, dass sie in den Ewigen Jagdgründen die größten Löcher buddelt.

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2 Gedanken zu “Majabiläum. Eine Vermissung.

  1. Sabine schreibt:

    Liebe Frau Mupf,
    Kann diese Gefühle nachvollziehen und auch mich schmerzt es im Herzen ganz oft, wenn ich an unsere beiden Dackelherren denke. Einer hatte ca mein Geburtsdatum und durfte nur 7 Jahre alt werden. Der andere durfte etwas länger bei uns bleiben. Es tut immer furchtbar weh, wenn man sie gehen lassen muss. Am liebsten hätte man sie bei sich, so lange man selbst lebt. Im Herzen knotet es ganz schrecklich, auch Tränchen werden vergossen. Das ist ok so. Immer dran denken, wie gut sie es bei einem hatten und wie sie das Leben genossen haben.
    Sei gedrückt liebe Mupfmama! 💕

    Liebe Grüsse Sabine

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