Nachts in der Notaufnahme.

Wir waren in der vergangenen Nacht mit dem Mupf in der Notaufnahme des Kinderkrankenhauses – ein „First“, auf das ich gerne verzichtet hätte. Aber von vorn…

Seit Tagen beschäftigt uns das vierte Mupfzähnchen, das im Anmarsch ist. Die ersten drei waren schon kein Spaziergang, der vierte stellte sich am Sonntagabend als wirkliches Problem heraus.

Wir gaben ihm zuerst ein Zahnungsgel, später dann noch ein Schmerzzäpfchen. Am Montag ließ ich mich dann in der Apotheke beraten und gab dem Mupf über den Tag wie empfohlen noch zwei weitere Schmerzzäpfchen. Damit ging es ihm besser, unser beider Laune stieg wieder.

So weit, so schön. Gegen Nachmittag fiel mir dann auf, dass die Windeln heute alle erstaunlich trocken geblieben waren. Normalerweise bemühe ich mich zuhause um einen Anderthalb-Stunden-Rhythmus, weil unser Müpfchen eher ein Vielpiesler ist. Und nun? Ich hatte schon mittags eine Windel einfach wieder zugemacht… Das kam mir komisch vor.

Gegen Abend telefonierten wir mit der Arzt-Hotline unserer Krankenkasse. Die Kinderärztin fand die Sache auch komisch – zumal der Mupf inzwischen auch zwei Mal gespuckt hatte. Sie riet uns, noch ein bisschen zu warten, wenn sich nichts tun sollte, aber besser ins Krankenhaus zu fahren.

Und so zogen wir los und kauften eine Waschmaschine. Warten kann man schließlich überall. Und Ablenkung tat auch gut, langsam machte ich mir richtige echte Sorgen. Was, wenn er gar nicht der Zähne wegen mies gelaunt war? Was, wenn die Schmerzzäpfchen ganz andere Schmerzen unterdrückten? Was, wenn er eigentlich Fieber hatte, das wegen der Zäpfchen aber gesunken war?

Als um 23 Uhr die Windel von 17.30 Uhr immer noch trocken war, beschlossen wir, dass „ein bisschen warten“ jetzt vorbei sei, und so packten wir unser Müpfchen ein und fuhren ins Frankfurter Clementine-Kinderhospital. Trotz Navi verfuhr ich mich zwei Mal. Mein Gedankenkarussell verselbständigte sich – bestimmt ne Blasenentzündung! Bestimmt ein Nierenstau! Bestimmt müssen wir im Krankenhaus bleiben.

Im Kinderhospital wurden wir gegen Mitternacht freundlich-routiniert empfangen. Wie jeder Krankenhausbesuch begann auch dieser… mit Warten.

Nach zwanzig Minuten wurden wir aufgerufen und erzählten der Dame, die uns schon eingelassen hatte, was los war. Dann kam irgendwann ein freundlicher Kinderarzt dazu, dem wir nochmal alles erzählten. „Naja, krank wirkt er ja eigentlich nicht. Das ist ist schon mal gut“, sagte er. „Ich schau ihn mir mal an.“

Bauchabtasten ergab, dass die Blase gefüllt war – eine gute Nachricht, weil es bedeutet, dass die Nieren tun, was sie sollen. Es folgte (45 Warteminuten später) eine Ultraschalluntersuchung von Blase und Nieren – unauffällig. Puh.

„Tja“, sagte der nette Kinderarzt, „so richtig weiß ich jetzt auch nicht, warum er nicht pinkelt. Aber er ist topfit. Wir nehmen ihm jetzt noch Blut ab, um die Nierenwerte zu überprüfen, und dann kann der Mupf nach Hause.“

Und dann wurde es kurz sogar noch lustig. Beim Blutabnehmen! Im mupfeligen Speckhändchen klappte es nicht, sodass der Arzt es am Kopf probieren wollte. Siegessicher steckte er dem Mupf einen Finger zum Nuckeln in den Mund, „alter Arzttrick, das beruhigt“. „Ähm, ich wäre da sehr vorsichtig“, sagte ich, „er hat nämlich schon drei Zähne und kann verdammt fest zubeißen.“

Als wir schließlich die Ambulanz verließen, bekamen wir noch mit, wie eine Mutter im Wartebereich ausflippte und das Krankenhauspersonal zusammenschnauzte. Sie war allein, ihr Baby schrie jämmerlich und sie führte sich wirklich unmöglich auf. Nie habe ich eine Person besser verstanden. Ich habe heute viel an diese fremde Mutter gedacht. Hoffentlich geht es ihrem Baby gut.

Um halb drei waren wir im Bett. Erschöpft und unfassbar erleichtert. Heute Morgen war die Windel nass, als wäre nie etwas gewesen, mittags hat der Mupf mir den ganzen Wickeltisch vollgepieselt und ich habe mich zum ersten Mal darüber gefreut. So richtig sehr. Heute Nachmittag haben wir endlich die Ergebnisse der Blutuntersuchung bekommen: alles gut!

Puh.

Ich bin dankbar, dass es dem Mupf gut geht. Die Angst, dass er „richtig“ krank sein könnte, war schrecklich.

Advertisements

7 Gedanken zu “Nachts in der Notaufnahme.

    • Das ist wahr! Es waren ja nur ein paar Stunden. Das reicht mir völlig!
      Wenn ich daran denke, was Eltern durchmachen, deren Kinder wirklich krank sind… furchtbar. Ich hoffe, dass wir bei Husti-Schnupfi-Halsikratzi und Zahntheater bleiben. ✊🍀

      Gefällt 1 Person

  1. Ach du je, das habe ich ja gar nicht mitbekommen. Gut, dass ihr im Krankenhaus gewesen seid – und noch besser, dass sie nichts gefunden haben. Aber: lieber einmal mehr untersuchen lassen als dass man was übersieht. Zwei Tage lang dachten bei Kringel ja auch leider, das Fieber sei von der Impfung, bis es dann plötzlich am dritten Tag (besser gesagt in der Nacht, sowas passiert ja immer nachts…) stieg und stieg und stieg und sich durch nichts aufhalten ließ. Das war nämlich keine Impfreaktion, sondern eine waschechte Blasenentzündung. Da dauerte der Aufenthalt im Kinderkrankenhaus gleich ein bisschen länger.

    Auch, wenn ihr auf den Ausflug ins Kinderkrankenhaus sicherlich gern verzichtet hättet, finde ich gut, dass ihr da gewesen seid. Ist ja schon seltsam, so wenige nasse Windeln. Lieber einmal mehr abklären. Die an der Hotline der Krankenkasse sind auch nachts um 4 Uhr sehr auf Zack, das hab ich schon testen müssen. Gut, dass es das gibt.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s