Mutti war’s.

Der Mupfblog ist umgezogen. Du findest diesen Beitrag jetzt hier: www.elternkram.blog/…

Advertisements

4 Gedanken zu “Mutti war’s.

  1. Uff, schwierig. Also ich finde die Argumentation hier sehr schwierig. Esther hat recht, dass eine validation der Aussage „die depressive Mutter versäumte im Säuglingsalter eine gesunde Bindung aufzubauen“ quasi unmöglich ist. Darüber hinaus wird von Frau Dr. Voos die (oftmals sehr ausgeprägte) biologische Komponente dieser Disorder (besonders Borderline) komplett ignoriert. Dass es vor allem aber auch eine physische Krankheit ist und die Betroffenen nicht nur von Mutti vermurkst wurden und/oder „einfach“ seine Lebensumstände ändern sollte/seine Einstellung ändern/besser auf den Therapeuten hören usw. Es nervt mich ein wenig zu lesen wenn man eine solche Krankheit gänzlich auf die widrigen lebensumstände und/oder andere Personen schiebt und die physische Komponente komplett auslässt.

    Kleine sidenote: ich selbst bin eine mit Depressionen diagnostizierte Mutti und wenn ich realistisch reflektiere…so denke ich, dass gerade meine Sensibilität für Empfindungen (eigene und die anderer) mir geholfen hat eine sehr enge und gesunde Bindung zu meiner Tochter aufzubauen.

    Ach, das ist so ein komplexes Thema…

    Gefällt 1 Person

    • Esther Uiuiui schreibt:

      Hallo liebe Perlenmama,

      Du hast völlig Recht, dass es ein sehr komplexes Thema ist. Ich habe kürzlich noch einen Radiobeitrag gehört über die epigenetischen Einflüsse auf Depressionen. Es gibt grade zu Depression so viele komplexe Aspekte, Faktoren, ein weites Feld würde Fontane sagen 😉

      Auch zu Narzissmus könnte man noch so viel schreiben. Nur ein angedeutetes kleines Beispiel: Die Forschung hat gezeigt, dass „reine Bullys“ also reine Mobbing-Täter/innen fast immer ausgezeichnet weg kommen mit ihrem Verhalten. Sie sind meistens erfolgreich und beliebt. Aber ihre Opfer hinterlassen sie oft mit schweren psychischen Wunden. Ob da jetzt die fehlende Bindungsfähigkeit der Mutter die Ursache für das Mobbingverhalten war? Halte ich für ziemlich kurzsichtig.

      Und wenn ich an depressive Mütter denke, dann fallen mir eine ganze Reihe Menschen ein, die offen mit ihrer Erkrankung umgehen und bei denen ich ziemlich sicher bin, dass sie eine gute Bindung zu ihren Kindern haben. Eine schlechte Bindung kann ganz verschiedene Ursachen haben. Dann grade auf depressive Mütter zu fokussieren, hat das Potenzial das Stigma zu verstärken und damit ist wenig geholfen.

      Ganz liebe Grüße und alles Gute besonders in den nächsten Tagen
      Deine Esther

      Gefällt 2 Personen

  2. Ich glaube, so schwarz-weiss war das von Dunja har nicht gemeint. Aber Fakt ist: Unsere Bindungsfähigkeit fußt auf den Erfahrungen der ersten Lebensjahre. Und diese erste Bindung haben wir zu unseren Eltern, ganz besonders, zu unserer Mutter. Alle weiteren Bindungspersonen können diese Bindungsfähigkeit zusätzlich stärken, keine Frage. Fakt ist auch: Wir können und müssen als Eltern nicht alles richtig, aber es wichtig, dass wir dies unseren Kindern spiegeln. Wir müssen uns entschuldigen, wenn wir uns im Ton vergreifen oder unfair sind. Verletzungen aus der Kindheit sind gerade auch deshalb so schwer zu ertragen, da wir nie die Machtposition unserer Eltern in Frage gestellt haben oder gar stellen durften. Fehlerhafte Kinder, aber wo sind die fehlerhaften Eltern? Mutti war’s, wenn sie felsenfest glaubt „alles richtig gemacht“ oder „nur gut gemeint zu haben“. Wenn Dein Kind als Erwachsener vor Dir steht und sagt, dies und jedes hat mich verletzt, sollten wir das annehmen und für diese Offenheit dankbar sein. Das spart mitunter den Weg zum Therapeuten. Ich empfehle Dir zu diesem Thema die Bücher von Alice Miller, falls Du diese nicht schon kennst.

    Gefällt mir

    • Esther Uiuiui schreibt:

      Hallo Anna,

      ich finde Deine Hinweise sehr interessant, wobei ich nicht den Eindruck habe, dass sie der Argumentation in meinem Post widersprechen. Natürlich ist die Bindungsfähigkeit von den frühen Erfahrungen abhängig. Dazu schrieb ich auch: Wenn die Mutter es dann nicht schafft wegen depressiven Episoden, dann sollten Menschen aus dem Umfeld einspringen. Wenn die Mutter z.B. schwer krebskrank wäre, dann wäre das selbstverständlich. Niemand würde erwarten, dass sie eine Bindung zum Kind aufbaut, während sie mit dem Krebs um ihr Leben ringt. Und ebenso sollte es bei einer schweren depressiven Episode sein.

      Und grade das Beispiel was Du bringst: Die Verletzungen der Kindheit, an die wir uns als Erwachsene erinnern, die sind eben nicht aus der frühen Kindheit, an die wir uns ja nicht erinnern können. Trotzdem haben sie uns stark geprägt und uns auch nachhaltig beeinflusst. Sie haben uns verletzt und diese Wunden wirken bis heute.

      Und die sturen Eltern, die daran festhalten, dass sie super toll waren, hatten nicht unbedingt eine Depression als es fürs Kind schrecklich schief lief und sie von ihren Eltern verletzt wurden. Diese Eltern sind oft total überzeugt, dass ihre Prinzipien goldrichtig sind. Da sind die Prinzipien, die ja meist traditionellen gesellschaftlichen Regeln folgen, dann vielmehr das Problem. Und eben die mangelnde Reflexion der Eltern darüber.

      Borderline ist eine extrem komplexe Diagnose, aber grade Narzissmus weist ziemlich deutliche Bezüge zur Kultur auf. Für solche Phänomene in diesem kleinen Rahmen (Mutter in der frühen Kindheit) nach Ursachen zu suchen, ist sicherlich möglich. Ich glaube nur, wir kommen zu mehr Erkenntnissen, wenn der Fokus nicht so klein ist.

      Vielleicht hat Dunja Voos das nur als Beispiel genutzt. Deshalb habe ich ja nachgefragt und die entsprechende Antwort erhalten. Und ich glaube sie hat Recht mit diesen Interaktionsmustern, die Kindern die Tendenz zu Narzissmus&Borderline geben können. Aber ich glaube da kann auch ebenso oft ein bester Freund, ein uninteressierter Vater, eine gemeine Lehrerin oder eine schreckliche Mobbingerfahrung der Anstoß für genau das beschriebene interaktive Muster sein. Und die Frage, was da so mit anderen signifikanten Anderen außer der Mutter passiert ist, lohnt sich meiner Meinung nach.

      Die Ursache in der – platt gesagt – lieblosen Mutter zu suchen, ist dagegen ein kulturell tief verankerter Reflex, ein ganz typisches Muster auf psychische Probleme zu blicken. Und dementsprechend begrenzt ist seine Kraft neue Erkenntnisse zu bringen. Und deswegen halte ich die Erweiterung des Fokus unter anderem für so sinnvoll.

      Alice Miller kenne ich noch nicht. Ich schaue mal, ob ich was von ihr finde in der Stadtbücherei.

      Vielen Dank für Deine Hinweise und viele Grüße
      Esther

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s